Art: Realisierungswettbewerb "Neubau einer Wohnanlage, Floßergasse in Füssen" Ort: Füssen, Deutschland
Zeitraum: 2020
Planungsumfang: Wettbewerb
Team: Alexander Pfanzelt, Florian Fender, Elisabeth Bader, Tobias Niggl in Kooperation mit buero haselwanter, Kieran Fraser Landscape Design sowie Dr. Schütz Ingenieure

Das Gebäude befindet sich im historischen Kern Füssens, unterhalb des Franziskanerklosters. Vom über dem Grundstück liegenden Franziskanerkloster besteht eine direkte Draufsicht auf das Gebäude. Daher nimmt die Dachfläche als fünfte Fassade eine signifikante Rolle ein, da diese vom sogenannten Quaglioblick zum prägenden Stadtbild Füssens gehört. Die heterogene Dachlandschaft Füssens setzt sich aus Dächern mit unterschiedlichen Dachneigungen und Ausrichtungen zusammen. Im Zentrum stehen das Hohe Schloss sowie das Rathaus der Stadt Füssen (ehem. Benediktinerkloster) die das Ortsbild seit Jahrhunderten beständig prägen. Das neu zu errichtende Gebäude hat sich daher in seiner Erscheinung in die bestehende Struktur einzugliedern und als Teil des Gesamtensembles wahrgenommen werden. FREIRAUMKONZEPT Zwischen Kloster, Kirche, mittelalterlichen Wohnhäusern und Wegen aus Kleinsteinpflaster schmiegt sich der höhenvermittelnde Hang mit seinem derzeit wilden Bewuchs und dem seitlichen Bestandsweg wie selbstverständlich in das Stadt-, Raum- und Zeitgefüge. Die neue Hanggestaltung greift die Ästhetik der Wildnis und die Selbstverständlichkeit der Ruderalpflanzen auf. Die „vermeintliche“ Wildnis wird bewusst inszeniert und gepflanzt. Durch das üppige Grün schlängelt sich die neue Erschließung gemächlich und still den Hang hinauf - bis zum neu errichteten Quaglio-Aussichtspunkt. Der Weg reagiert auf das Gelände und bietet zwischen den steilen Treppenabschnitten auch längere flache Strecken mit Bänken zum Entschleunigen und Verweilen. Das Kleinsteinpflaster der Altstadt wird fortgeführt bis hinein in die Aula des Hauses und erschließt die neue Wohnbebauung. Das Treppenhaus ist im Konzept atmosphärisch dem Garten zugeordnet, was neben dem Pflasterbelag auch an der sowohl physischen als auch visuellen Verbindung der Kletterstämme von der Erschließung zum Spielbereich zu erkennen ist. Beim Umgang mit der Freifläche wird darauf geachtet, dass keine Eingriffe in den Boden erfolgen, Abgrabungen und Begradigungen erfolgen nur in minimal notwendigem Umfang. Der Spielplatz ist als naturnaher Kinderspielbereich angedacht, der auch die Topographie der Hangsituation und dessen Vegetation als Spielfläche sieht und künstliche Spielgeräte nur eine untereordnete Rolle spielen. Die Pflasterung in der Floßergasse wird auch für den Bereich des zu errichtenden Gebäudes verwendet, so dass ein schwellenloser Übergang vom nichtöffentlichen zum öffentlichen Raum erfolgt. GEBÄUDEGESTALTUNG Das Gebäude wird wie die Wohngebäude in der Füssener Altstadt als verputzte Lochfassade ausgebildet. Die häufig vorzufindenden Putzmuster wie beispielsweise Strukturputz und gekämmter Rauhputz und Fensterfaschen werden zur Gliederung der Fassade eingesetzt. Die flachen Dächer werden einerseits zur Ausnutzung des maximalen Bauvolumens verwendet, andererseits in Anlehnung an die Dächer der umgebenden Gebäude in der Floßergasse. Alle Dächer des Gebäudes sollen mit roten Dachziegel eingedeckt werden. Dies stellt für den Betrachter die fünfte Fassade als Teilmerkmal des Quaglioblick dar. Auf Grund der beengten Zufahrt durch die Kernstadt Füssens soll das Gebäude vor Ort in Ziegelbauweise werden. Dies ermöglicht eine Materialbringung mit kleineren Baufahrzeugen und Hebewerkzeugen. Die Außenwände werden in Ziegelbauweise in ausrechender Stärke ohne zusätzliche Dämmung ausgeführt. Die Decken sind aus Stahlbeton. In Verbindung mit der Putzfassade gliedern sich die neuen Gebäude in das Gesamtensemble Füssens ein, ohne hervorzutreten. Das Treppenhaus ist als Kaltraum zwischen den beiden Gebäuden mit geschuppter Glasfassade und begrüntem Flachdach ausgebildet. Das Treppenhaus ist auf Grund des Zuschnitts des Grundstücks großzügig gehalten und erhält dadurch gerade im Erdgeschossbereich durch den angrenzenden Spielbereich den Charakter eines sozialen Gemeinschaftsbereichs. Ebenso ist vom Erschließungsbereich ein Bypass zu Abstell-, Müll und Fahrradraum vorhanden.